Geschichte erwandern
Auf den Spuren der Mühlviertler Hasenjagd
„Nie wieder darf so etwas geschehen!“

Im Gegensatz zu vielen Offiziellen braucht es für uns keinen runden Jahrestag, um der Greuel der Nazidiktatur zu gedenken. In diesem Jahr, dem 61sten nach der Befreiung, organisierte die Werkstatt Frieden & Solidarität zusammen mit anderen am 5. Februar 2006 eine „Spurensuche der Mühlviertler Hasenjagd“, in memoriam Peter Kammerstätter, selbst Widerstandskämpfer und KZ-Lagerinsasse, geleitet und moderiert vom Historiker und Lagerkomiteemitglied Franz Aigenbauer.

Dieser schilderte eingangs die Situation des alltäglichen Lagerschreckens im KZ Mauthausen und im speziellen die der 1.000 sowjetischen Häftlinge. In dem Bewusstsein der näher rückenden Befreiungsfront und der unvermeidlichen Ermordung durch die SS - Mauthausen war ein KZ der Kategorie 3 und somit galten die Häftlinge in den Augen der SS als „unerziehbar“ -, wagten 400 davon den Ausbruch aus Block 22, da sonst der unabdingbare Tod vorbestimmt war. Mit einfachsten Mitteln und großer Solidarität der geschundenen Mithäftlinge konnte am 2.2.1945 nachts der Ausbruch versucht werden. Kurz danach heulten die Sirenen. SS, Volkssturm, Hitlerjugend und Freiwillige aus der Bevölkerung machten sich, nach einer Ansprache des Lagerkommandanten Ziereis, mit Eifer auf die Jagd. Ziereis sprach von flüchtenden Schwerverbrechern, es seien keinerlei Gefangene zu machen.

Bei klirrender Kälte, viel Schnee und dünner Lagerkleidung, völlig ausgehungert und kahl geschoren, liefen die Flüchtenden Richtung Norden. Nur wenige hatten das Glück, auf ihrer Flucht auf Menschen zu treffen, die etwas Essen vor die Tür stellten, wagten, sie im Haus essen zu lassen oder sogar Kleidung zu geben, bevor sie weiterlaufen konnten. Einzelne brachten sogar den Mut auf, Flüchtige im Haus oder Stall zu verstecken und dies auf die Gefahr hin, verraten oder denunziert und erschossen zu werden. Viele andere aber jagten ihnen wie Hasen nach - zum Gaudium der Beteiligten. Diese Hetze über ein paar Tage bis zur Befreiung am 5.5.1945 konnte nur von 11 Flüchtigen überlebt werden.

Am Ende dieser denkwürdigen und historischen Wanderung entlang einer Fluchtspur, wurde am Gedenkstein in Ried in der Riedmark aller in der Nazidiktatur Ermordeten gedacht, mit folgendem Aufruf:

Von diesem Boden, soll mit allen zu Gebote stehenden Mitteln, Faschismus und Diktatur niemals wieder entstehen und sich ausbreiten können. Und dazu wollen wir verhindern, dass Kriegstreiber wie Militär, Rüstungskonzerne und deren Handlanger, die den Faschismus erst ermöglichten, im Namen von Profit und Habgier, ihren perversen Geschäften nachgehen.

Rudi Schober, 6.2.2006

Ein Mitschnitt der Wanderung von Radio FRO ist unter folgendem Link abrufbar:
http://cba.fro.at/show.php?lang=de&eintrag_id=5041