Kongo / Großkonzern klagt Werkstatt-Aktivisten / Forderung nach einer parlamentarischen Untersuchung
Reaktionen

Hintergrund-Informationen [hier]

„Untersuchung auf jeden Fall notwendig“
Wir haben ebenfalls schon vor Ihrer Zusendung von den Problemen mit Treibacher bzw. dem Korneuburger Urteil gehört. Unter anderem hat auch Walter Sauer in der Zeitschrift „Indaba 50/6“ über den Fall berichtet und speziell die Österreich-Verbindung herausgearbeitet, die sich aus dem letzten Bericht des UN-Expertenpanels des Sicherheitsrates ergeben hat. Vor allem vor dem Hintergrund des zweiten Wahlgangs in der DR Kongo Ende Oktober und der weiter andauernden Ausplünderung des rohstoffreichen Landes, ist eine Untersuchung dieser Vorgänge auf jeden Fall notwendig. Einen Untersuchungsausschuss noch vor Ende dieser Legislaturperiode zu beantragen hat keinen Sinn, da er - sollte es überraschenderweise einen Mehrheitsbeschluss dafür geben - mit Ende der Legislaturperiode auslaufen würde. Deshalb kann ein Untersuchungsausschuss erst in der nächsten Legislaturperiode, und das auch nur mit Mehrheitsbeschluss, eingesetzt werden. Die Grünen werden sich in diesem Sinne um eine Aufklärung der Vorgänge in der DR Kongo bemühen.
Ulrike Lunacek (Nationalratsabgeordnete, Die Grünen), 14.9.2006

„In der nächsten Sitzung des Unterausschusses Entwicklungspolitik zur Sprache bringen“
Die etwaige Verwicklung österreichischer Unternehmen in den illegalen Rohstoffabbau und -handel im Kongo, die die SPÖ selbstverständlich ablehnt, ist ein sehr ernstes Thema, über das eine öffentliche Debatte geführt werden sollte [...] Wir werden, sobald der Nationalrat neu konstituiert ist, die Frage der etwaigen Verwicklung österreichischer Unternehmen in den illegalen Rohstoffabbau und -handel im Kongo in der nächsten Sitzung des Unterausschusses Entwicklungspolitik zur Sprache bringen. Ich habe daher Ihr Schreiben und die von Ihnen übermittelten Informationen an Abg. Petra Bayr, Vorsitzende des Unterausschusses Entwicklungspolitik und entwicklungspolitische Sprecherin der SPÖ, weiter geleitet. Darüber hinaus wäre es sinnvoll, Ihrerseits ein Schreiben in dieser Angelegenheit an das Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten zu richten. Mit freundlichen Grüßen
Dr. Herbert Ostleitner (Klubdirektor der Sozialdemokratischen Parlamentsfraktion), 28.9.2006

Großkonzern klagt Friedensaktivisten
Der Landesvorstand der steirischen KPÖ hat sich in seiner Sitzung am Wochenende einstimmig mit dem Friedensaktivisten Gerald Oberansmayr solidarisiert. Wegen eines Artikels im Online-Standard klagt der Großkonzern Treibacher AG einen Aktivisten der Werkstatt Frieden & Solidarität. Stein des Anstoßes ist ein Bericht von Gerald Oberansmayr über die Verwicklung westlicher Großkonzerne in die illegale Rohstoffausbeutung im Kongo. Es droht eine Klagssumme von 240.000 Euro. Die KPÖ hält es für äußerst bedenklich, wenn Konzerne mit horrenden Klagsdrohungen offensichtlich von vornherein Kritiker davon abschrecken wollen, ihre Geschäfte näher unter die Lupe zu nehmen! Landesvorsitzender Franz Stephan Parteder: „Wir unterstützen die Werkstatt Frieden & Solidarität in ihrer Forderung an den österreichischen Nationalrat, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, der sich mit der Involvierung österreichischer Unternehmen in die illegale Rohstoffausbeutung im Kongo beschäftigt“. Auch der KPÖ-Landtagsklub solidarisiert sich mit dem Friedensaktivisten.
KPÖ Steiermark, 10.10.2006

„Es darf nicht soweit kommen, dass kritische NGOs mundtot gemacht werden“
Besten Dank für Ihre Information betr. die Klage der Treibacher Industrie AG gegen die Linzer Friedenswerkstatt. Ich habe mich über die Angelegenheit informiert und teile Ihre Besorgnis. Es darf nicht soweit kommen, dass kritische NGOs mundtot gemacht werden. Ich hoffe aber, dass es doch noch die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung mit Zurückziehung der Klage gibt. Davon unabhängig werde ich mich im Rahmen meiner politischen Möglichkeiten jedenfalls dafür einsetzen, dass der Frage der Einhaltung von verbindlichen Sanktionsbeschlüssen des UN-Sicherheitsrats durch österreichische Institutionen, Firmen oder Personen, inkl. jener mit Bezug zum Kongo, seitens der Behörden mehr Gewicht beigemessen wird als bisher. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss wäre dafür sicherlich eine Möglichkeit. Danke für Ihr Engagement und herzliche Grüße
Renate Csörgits (SPÖ-Nationalratsabgeordnete, ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende), September 2006

„Einrichtung eines Untersuchungsausschusses zu begrüßen“
Ich freue mich über Ihre mutigen Aussagen bezüglich der Verwicklung eines österreichischen Unternehmens in illegale Rohstoffgeschäfte im Kongo. Mit Entsetzen habe ich jedoch gehört, dass Sie dafür mit einer Klage belangt werden sollen. Soweit ich mich noch an meine Lektüre des „Schwarzbuch Markenfirmen“ erinnere, gelten diese illegalen Rohstoffgeschäfte bei gleichzeitiger Finanzierung von Militäreinheiten als erwiesen. Die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses zur restlosen Aufklärung dieser Angelegenheit würde ich sehr begrüssen.
Mag. Franz Wielend (ÖVP-Parteiobmann und Vizebürgermeister Ottensheim), September 2006