Die EU macht´s möglich:
Österreichische Soldaten unter deutschem Kommando nach Kabul

Stell dir vor, österreichische Truppen marschieren unter deutschem Kommando nach Afghanistan - und alle schweigen.

Beim EU-Gipfel in Laeken hat die EU die Weichen dafür gestellt, militärisch in Afghanistan einzugreifen. Etliche EU-Länder schicken Truppenkontingente nach Kabul, darunter Österreich. Nach Bosnien, Kosovo und Mazedonien steht nun Afghanistan als nächstes auf der Zielliste westlicher Kolonialverwalter. Was die EU als eine „Friedensmission“ ausgibt, firmiert für die USA unter dem Deckmantel des „Kampfes gegen den Terrorismus“. Hinter beiden stehen banale geostrategische Interessen, vor allem der Zugriff auf die Erdöl- und Erdgasvorkommen der kaspischen Region. Bereits im Jahr 2000 hat der deutsche Verteidigungsminister Scharping die kaspische Region als zukünftiges Interventionsgebiet für die EU reklamiert und als einen der Gründe dafür die „strittige Nutzung und Verteilung der strategischen Ressourcen Öl und Gas“ genannt (Rede an der Ruprecht-Karls-Universität, 27.11.2000, Heidelberg). Dass die Militäraktion unter einem UNO-Mandat läuft, kann nicht beruhigen. Die UNO wird seit Anfang der 90er Jahre von den Großmächten immer mehr als Freibrief für ihre Militäraktionen instrumentalisiert. Die Grundintention der UNO, die internationalen Beziehungen zu demilitarisieren, wird dadurch ins Gegenteil verkehrt.

Immer offener betreiben die Großmächte USA und EU Kolonialpolitik. Erinnern wir uns an den Balkan: mit welch salbungsvollen Worten über „europäische Werte“ dort die militärische Intervention der Westmächte der Bevölkerung gepriesen wurde. Heute schreibt eine der führenden Zeitungen Deutschlands darüber ganz unverblümt:

„Ja, der Balkan ist unser Hinterhof. Ja, wir haben dort Interessen, für die wir einstehen wollen. Ja, militärische Macht gehört in letzter Konsequenz [...] zu den Mitteln, diese Interessen und Werte durchzusetzen. Franzosen und Briten war dieser selbstbewusste Kanon vielleicht nicht neu, doch auch sie blieben auf dem Balkan ohne Macht - bis die Deutschen sich besannen, zögerlich noch unter der Regierung Kohl, zur Entschlossenheit gezwungen unter der Regierung Schröder. So hat sich Europa verändert, weil vor allem die Deutschen sich verändert haben [...] In diesem Selbstbewusstsein haben die Europäer die politischen Regeln des Westens in Südosteuropa durchgesetzt [...] Wer Stärke zeigt, wer Interessen hat und sie durchsetzen will - der haftet lange.“ (Nikolaus Blome, Leitartikel in „Die Welt“, 30.6.2001).

Nun soll der EU-Hinterhof in die Erdölregion Zentralasiens verlängert werden. Das österreichische Bundesheer soll dabei sein. Vorerst nur mit 60 Mann. Doch die Truppenstärke ist unerheblich. Wichtig ist den heimischen Militarisierern, den Fuß in der Tür zu haben. Beim nächsten Mal kann´s dann schon mehr sein. Die nächsten Aufrüstungsmilliarden sind schon sicher. Bereits im Vorjahr hat das Verteidigungsministerium bekannt gegeben, dass eine der zukünftigen Aufgaben des Bundesheeres sein wird, sich an EU-Einsätzen „zwecks Zugang zu strategischen Rohstoffen“ zu beteiligen (BMfLV, 13.6.2001). Dass ähnlich wie im Kosovo österreichische Truppen unter deutschem Kommando stehen, zeigt einmal mehr, dass nicht nur auf dem Neutralitätsgesetz, sondern auch auf dem Staatsvertrag, der die militärische Kooperation mit Deutschland untersagt, munter herumgetrampelt wird. Die Regierung beschließt, die Oppositionsparteien schweigen. Die Europäische Union erweist sich immer mehr als militärisches Großmachtsprojekt. Der Kampf für ein neutrales und weltoffenes Österreich kann nur mehr in Opposition zur EU glaubwürdig geführt werden. Wir brauchen eine Politik, die sich für internationale Abrüstung und globale Umverteilung der Reichtümer stark macht - und keine Truppen in Kabul!

Unterstützen Sie den Aufruf „Nein zu Euro-Armee und Kriegsvorbereitung! Für Frieden und Neutralität!“