Broschüre „Nach dem Krieg ist vor dem Krieg“
Editorial

Die Plattform Stoppt den Krieg und die Friedenswerkstatt Linz, die diese Broschüre erarbeitet haben, waren Drehscheibe und Motor der Antikriegsbewegung in Linz. Wir verstehen uns als Bestandteil jener großartigen Friedensbewegung, die Millionen von Menschen gegen den US-Krieg gegen den Irak mobilisiert hat. Auch wenn wir diesen Krieg nicht verhindern konnten, so ist die Friedensbewegung wieder zu einem mächtigen Faktor der internationalen Politik geworden, der von den Großmächten nicht mehr ignoriert werden kann. Es ist nicht zuletzt dem Druck der Friedensbewegung zu verdanken, dass Bush, Rumsfeld & Co. sich im Netz ihrer eigenen Lügenpropaganda verheddert haben und politisch zunehmend in die Defenisve geraten. Mit dieser Broschüre wollen wir die strukturellen Hintergründe dieses Krieges ausleuchten. Denn es sind die wirtschaftlichen und politischen Strukturen und nicht einzelne finstere Gestalten, die Gewalt und Aufrüstung anheizen. Ausführlich wird auch die Frage der Kriegspropaganda beleuchtet, denn Kriege wie der Feldzug gegen Jugoslawien, Afghanistan und nun gegen den Irak werden mehr denn je an der ideologischen „Heimatfront“ entschieden. Einen breiten Raum nehmen auch die Antikriegsaktionen der Friedensbewegung ein. Wir haben vor allem jene Aktionen und Aufrufe dokumentiert, die wir selbst mitorganisiert haben.

Diese Friedensbewegung muss weitergehen. Denn nach dem Krieg ist vor dem Krieg. Der Krieg im Irak ist nicht zu Ende, das dortige Besatzungsregime ist die Fortsetzung des Krieges gegen die irakische Bevölkerung mit anderen Mitteln. Schon geht das Säbelrasseln gegen andere Regime der Region, gegen Iran und Syrien, los. Und nicht nur die USA, auch die EU will sich zunehmend als militärische Interventionsmacht profilieren. Am Balkan, in Afghanistan, in verschiedenen afrikanischen Staaten, demnächst vielleicht auch im Irak stehen Kolonialtruppen von EU-Mächten. Die EU kopiert die Bush-Doktrin vom „Präventivkrieg“. In der nun vorgelegten EU-Verfassung wollen sich die EU-Mächtigen das Mandat zu weltweiten Militärinterventionen für die sog. „Terrorbekämpfung“ zusprechen und alle Mitgliedstaaten dazu verpflichten, ihre militärischen Kapazitäten dafür kontinuierlich auszuweiten.

Während in den USA die Antikriegsbewegung die Bush-Administration auffordert, die Besatzungstruppen aus dem Irak abzuziehen („Bring them home!“), bereitet sich die österreichische Regierung darauf vor, in Zukunft auch österreichische Soldaten für globale EU-Kriegseinsätze zu entsenden. Das noch während des Irak-Krieges gestartete Friedensvolksbegehren ist daher eine unmittelbare Konsequenz unseres Anti-Kriegsengagements. Die Machthaber im eigenen Land daran zu hindern, in Kriege zu ziehen bzw. diese zu unterstützen, ist einer der wichtigsten Beiträge, den die österreichische Friedensbewegung für die internationale Friedensbewegung leisten kann.

Gerald Oberansmayr, Günter Reder