Bechtel, Halliburton & Co - Die Profiteure des Krieges

Rüstungsindustrie: Friedensliebe wird uns den Deal nicht ruinieren

Fast alle Firmen stornieren oder verschieben ihre Börsengänge, weil sich vor dem Krieg nur niedrige Preise für ihre Aktien erzielen lassen. Ganz anders die Rüstungsindustrie, vor allem in den USA. Hier drängen Mittelständler munter an die Wall Street, die Anleger zahlen die verlangten Preise für die Aktien. Eine dieser Firmen ist Integrated Defense Tech aus Alabama, die im Februar 2003 an die New Yorker Nasdaq gegangen ist. Ihr Umsatz ist in einem Jahr von 181 auf 264 Millionen Dollar gewachsen. Und ähnlich soll der Aktienkurs steigen, Bin Laden und dem War Against Terrorism sei Dank. Die Aussichten seien gut, meint der Rüstungsfirmenexperte Ben Holmes auf CNNmoney am Vorabend des Irak-Krieges: Die Friedensliebe wird wahrscheinlich nicht ihr Haupt erheben und uns diesen Deal ruinieren. Bush hat wenige Woche später dafür gesorgt, dass die Aktionäre nicht enttäuscht wurden.

Halliburton kassierte während des Krieges ...

Outsourcing ist in, auch bei der US-Armee. Dienstleistungen und Materialbedarf im Bereich Logistik (Unterkünfte, Verpflegung, etc.) werden an private Firmen ausgelagert. Natürlich nicht an irgendwelche. Eine der größten Absahner in diesem Geschäft ist Kellog Brown & Root (KBR), Tochterunternehmen von Halliburton, dessen Chef von 1992 bis 2000 kein anderer als der jetzige US-Vizepräsident Dick Cheney war. Für die Versorgung des US-Expeditionskorps in Somalia kassierte das Unternehmen 62 Millionen Dollar, und die logistischen Dienstleistungen auf dem Balkan summierten sich bis 2002 auf die stattliche Summe von 2,2 Milliarden Dollar. Zu einer wahren Goldgrube ist für KBR der sogenannte Krieg gegen den Terrorismus geworden. Im Dezember 2001 schloß die Firma mit dem Pentagon einen Zehnjahresvertrag unter dem Namen Logistics Civil Augmentation Program (Logcap) ab. Der Vertrag bedeutet, daß die US-Regierung KBR mit Logistikaufträgen ohne Kostenobergrenze für die Armee (Essenszubereitung, Wäsche, Versorgung mit Kraftstoffen, Wasser und Energie etc.) irgendwohin in die Welt schicken kann. Im Rahmen von Logcap ist das Unternehmen seit Juni 2002 für 22 Millionen Dollar in Usbekistan in der Luftwaffenbasis Chanabad tätig. Im November 2002 gab es einen mit 42,5 Millionen dotierten Jahresvertrag für Afghanistan. Außerdem ist KBR für Stützpunkte auf den Philippinen zuständig und hat die als Gefangenenlager bezeichneten Käfige auf Guantanamo errichtet. Während der Mutterkonzern Halliburton auf den Sieg über den Irak warten musste, um dann im Ölgeschäft zu verdienen, fuhr die Tochter KBR bereits während des Krieges ihre Profite ein: Das Unternehmen hat die Zeltstädte für die Truppen gebaut und lieferte logistische Unterstützung für den Krieg. KBR hat mitgeholfen, die Wüste des Scheichtums in ein befestigtes Lager für 80.000 Soldaten zu verwandeln und Hauptquartier samt Terrasse und Picknicktischen und -stühlen aus Plastik, Fastfood-Läden, Basketballkörben und Volleyballnetzen zu errichten.

... und danach ab

Halliburton, die ehemalige Firma des Vizepräsidenten Cheney, sahnt auch nach dem Krieg kräftig ab. Die US-Regierung hat Halliburton, beauftragt, Öl in Irak zu fördern. Halliburton ist nicht nur beauftragt, in Irak brennende Ölquellen löschen und fällige Reparaturen ausführen sollte, die Firmentochter Kellog Brown and Root soll in Zukunft auch die Förderung und den Vertrieb irakischen Öls übernehmen soll. Ein Sprecher des US-Militärs gab bekannt, dass das Auftragsvolumen für die Halliburton-Tochter sich auf 75 Mio. $ belaufe. Schätzungen zufolge wird die Auftragssumme insgesamt 600 Mio. $ erreichen. 

... Bush revanchiert sich bei Bechtel

Die USA haben einen ersten Großauftrag zum Wiederaufbau des Iraks vergeben. Er ging an die kalifornische Baufirma Bechtel. Sie soll unter anderem bei der Reparatur der Wasserversorgung, Kanalisation, des Stromnetzes und der Flughäfen helfen. Der Auftrag beläuft sich auf 680 Millionen Dollar. Weitere Aufträge winken. Der Chef der Bechtel-Group, Riley Bechtel, wurde im Februar in Bushs Außenwirtschaftsrat berufen. Bechtel hatte großzügig für die Wahlkampagne von George Bush gespendet. Im Aufsichtsrat sitzt der ehemalige US-Außenminister und Kriegsbefürworter George Shultz. Mit dem Geschäftsmethoden von Bechtel gibt es bereits einschlägige Erfahrungen. In der bolivianischen Stadt Cochabamba übernahm Bechtel von der Stadtverwaltung die Wasserversorgung und verdoppelte die Wassergebühren. Die Proteste der indigenen Bevölkerung bis hin zum Generalstreik wurden durch das Militär unterdrückt wobei ein Siebzehnjähriger erschossen wurde. Die Stadtverwaltung rekommunalisierte daraufhin die Wasserversorgung. Die Fa. Bechtel wehrte sich und verklagte den Staat Bolivien vor einer Weltbank-Schlichtungsstelle auf 25 Mio. US-Dollar Schadenersatz.

Das Geschäft mit dem Krieg zahlt sich aus

Nach Berechnungen des US-Außenministeriums werden US-Waffenschmieden in diesem Jahr Rüstungsgüter im Wert von 14 Milliarden Dollar verkaufen können und damit höhere Jahreseinnahmen haben als in den letzten zehn Jahren. 2002 lag der Verkaufserlös bei 12,5 Milliarden Dollar. Es ist tragisch, aber das Geschäft mit dem Krieg zahlt sich aus, kommentiert Douglas Mattern von der in New York ansässigen War and Peace Foundation. Sie verdienen an abgeworfenen wie auch an abgefangenen Waffen und werden bei der Pariser Luftschau im Sommer sicher neue Kunden anwerben können, meint auch Natalie Goldring, Leiterin des Programme on Global Security and Disarmament an der Universität von Maryland. Allein ein abgeschossener Apache-Longbow-Kampfhubschrauber koste etwa 22 Millionen Dollar. Nach Angaben von Mattern wird das Verteidigungsministerium in diesem Jahr um die 60 Milliarden Dollar für neue Waffen ausgeben und weitere 30 Milliarden Dollar für Forschung und die Entwicklung neuer Systeme.

Telefonnetz: US-Army bombt den Markt herbei

Neben dem Erdöl ist die Errichtung eines komplett neuen Mobilfunk-Netzes das große Geschäft im Irak. Für diesen Markt hat die US-Army selbst gesorgt, indem sie terrestrische Fernmeldenetz im Irak flächendeckend zerstörte und die Plünderung des Fernmeldeminsteriums in Bagdad wohlwollend duldete. Der oberste Kolonialverwalter Paul Bremer hat Bremer drei Mobiltelefon-Lizenzen für die Regionen Nord, Süd und Mitte zur Vergabe ausgeschrieben. Wie der private amerikanische Nachrichtendienst Stratfor nun mitteilte, wurde Bremers Ausschreibung mit einer entscheidenden Klausel versehen: Firmen mit einer Staatsbeteiligung von mehr als fünf Prozent sind ausgeschlossen. Damit sind auf einen Schlag praktisch alle Bewerber aus dem Nahen Osten und aus Europa ausgeschaltet. Bremer begründete die Maßnahme offiziell damit, der irakische Telekommunikationssektor solle vor der Kontrolle durch ausländische Regierungen geschützt werden. Tatsächlich gehe es wohl darum, schreibt selbst Stratfor, unliebsame Konkurrenten für US-Konzerne auszubremsen. Global Players wie Orange (Frankreich), Telefonica Moviles (Spanien), KPN (Niederlande) oder T-Mobile (Deutschland) mit Aussicht auf eine oder mehrere Lizenzen im Irak blieben damit außen vor. Das gleiche gelte für NTT DoCoMo (Japan) und chinesische Firmen.

aus: Broschüre Nach dem Krieg ist vor dem Krieg