Über 2.000 Menschen bei spontaner Antikriegsdemonstration in Linz

  • Forderung nach sofortigem Stopp des verbrecherischen Krieges

  • Anti-Kriegsarbeit geht weiter – Großkundgebung am 4. April am Linzer Hauptplatz geplant

Der Kriegsbeginn hat nicht zu Resignation geführt, sondern viele Menschen noch mehr aufgerüttelt, gegen diesen Krieg öffentlich aufzutreten. Zur spontanen Antikriegsdemonstration, die anlässlich des Kriegsbeginns von der Plattform Stoppt den Krieg! organisiert worden ist, kamen über 2.000 Menschen, darunter sehr viele SchülerInnen. Kämpferische Stimmung, kreativer Protest und die Überzeugung, dass der Widerstand gegen diesen verbrecherischen Krieg weitergehen muss, prägten den langen Demonstrationszug.

Bei der Abschlusskundgebung strich Gerald Oberansmayr (Plattform Stoppt den Krieg!) die unglaubliche Heuchelei der Kriegstreiber heraus. Die USA als diejenige Macht, die über die meisten Massenvernichtungswaffen dieser Welt verfügt, greifen ein Land an, weil dieses angeblich über Massenvernichtungswaffen verfügt. Nicht um Massenvernichtungswaffen oder Demokratie geht es den Aggressoren, sondern um Erdöl und um die Neuaufteilung der geopolitischen Macht. Für die Friedensbewegung sei es wichtig, die richtigen Konsequenzen aus diesem verbrecherischen Krieg zu ziehen. Nicht die Herausbildung einer militärischen Supermacht EU zusätzlich zur militärischen Supermacht USA – wie sie von den Machteliten der großen europäischen Nationalstaaten angestrebt wird – sei die richtige Konsequenz, sondern der Widerstand gegen jede Form von Militarismus und Aufrüstung. Wir müssen daher für ein neutrales Österreich kämpfen, das weder bei NATO noch bei der Euro-Armee mitmarschiert.

Der Exil-Iraker Haythem Sardest, der noch laufend in Kontakt mit seinen Famlienangehörigen im Irak steht, schilderte sehr persönlich die Stimmung der Menschen in seiner Heimat. Er hatte noch kurz vor Kriegsbeginn mit seiner Nichte im Irak telefoniert. Diese hat ihn gefragt: „Wird es Krieg geben?“ Er habe ihr geantwortet, dass das Gott entscheide, worauf seine Nichte antwortete: „Nicht Gott, Bush entscheidet.“ Haythem Sardest berichtete über das unermessliche Leid, das der Golfkrieg von 1991 über die Menschen in der Region gebracht hat. Nach einer UNO-Schätzung kostete dieser Krieg über einer Million Menschen das Leben, darunter einer halben Million Kinder. Die Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen und Wasserwerken, die radioaktive Verseuchung mit Urangranaten hat zu einer Explosion der Kinder- und Säuglingssterblichkeit geführt. Die Wiederholung dieses Verbrechens muss sofort gestoppt werden. Haythem Sardest verurteilte die Haltung der österreichischen Bundesregierung, die angesichts des beginnenden Krieges schweigt und er forderte die Parteien und Gewerkschaften auf, sich aktiv in die Antikriegsbewegung einzubringen.

Der Schülervertreter Mihai Csabai rief dazu auf, über die unterschiedlichen Zugänge hinweg, sich in der Bewegung gegen den Krieg zusammenzufinden. Es sei wichtig, die Antikriegsbewegung auszuweiten und in Schulen und Betrieben Aktionskomitees gegen den Krieg zu bilden. Gerade unter SchülerInnen und Lehrlingen sei die Antikriegsstimmung stark. Gewerkschafts- und SchülerInnenstreiks, die Verweigerung des Transports von Kriegsgerät, die es bereits in vielen Ländern gibt, sind ein wirksames Mittel, um diesen Krieg möglichst rasch zu stoppen.

Antikriegsarbeit geht weiter!

Im Anschluss an die Demonstration fand eine weitere Besprechung der Plattform Stoppt den Krieg! statt. Dabei wurde beschlossen, am 4. April am Linzer Hauptplatz eine Groß-Kundgebung gegen den Krieg mit einem breiten Polit- und Kulturprogramm zu veranstalten. Das nächste Treffen der Plattform findet am kommenden Donnerstag, 27. März statt (19.30 Uhr, Büro der Friedenswerkstatt Linz). Neue MitarbeiterInnen sind herzlich willkommen!

Presseaussendung der Plattform Stoppt den Krieg! vom 21.3.2003