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Französisch-Guyana |
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Französisch-Guayana Film, Vortrag und Diskussion mit dem Ethnologen Thierry Sallantin
Wels: Mi, 07.02.2007, 19 Uhr, Infoladen Wels, Spitalhof 3 Wenigen Menschen ist bekannt, dass zur Zeit im einzigen Regenwald Europas in Französisch-Guayana ein Ethnozid an der indigenen Bevölkerung verübt wird. Die Zusammenhänge sind komplex, die Inhalte politisch brisant: Denn Jacques Chirac möchte noch vor der französischen Präsidentschaftswahl am 22. April sein Wahlversprechen, in Französisch-Guayana einen Nationalpark zu errichten, einlösen. Sein Plan berücksichtigt jedoch nicht den von Wayana- und Emerillon-Indianern erhobenen Einspruch, in dem das Verbot des Goldabbaus im Nationalpark gefordert wird. Mittlerweile kommen immer mehr indigene Kinder mit Missbildungen auf die Welt, die auf den Einsatz von Quecksilber im Goldabbau zurückzuführen sind (siehe dazu untenstehenden offenen Brief an Jacques Chirac). Der Ethnologe Thierry Sallantin lebte selbst neun Jahre lang mit den Yanomami in Französisch-Guayana, aufgrund seiner politischen Aufmüpfigkeit verbrachte er weitere fünf Jahre im Gefängnis von Cayenne. Zur Zeit betreibt er Solidaritätsarbeit in Europa, sein Ziel ist jedoch der Aufbau eines Ökodorfes im Regenwald, um den Indigenas den Rücken zu stärken und ein Gefühl der Wertschätzung ihrer eigenen Kultur zu vermitteln.
Zur Nachahmung (mit eigenem Namen und
Adresse) empfohlen: An Herrn Jacques Chirac Betreff: Nationalpark in Französisch-Guyana Sehr geehrter Herr Präsident, Ihre Entscheidung, die Empfehlungen der Untersuchungskommission zur Errichtung eines Nationalparks in Französisch-Guayana zu missachten, können wir nicht nachvollziehen. In Übereinstimmung mit dem unmissverständlichen Willen der indigenen Völker Wayana und Emerillon empfiehlt die Untersuchungskommission, den Lebensraum der indigenen Bevölkerung von Haut-Maroni in die Kernzone des Parks aufzunehmen. Offensichtlich sehen Sie die betroffene Bevölkerung als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse an. Andernfalls kann Ihre Entscheidung, den eindeutig ausgedrückten Willen der betroffenen Bürgerinnen und Bürger zu missachten, nur als Verrat an der Demokratie interpretiert werden. Indem Sie die vorgeschlagene Grenzziehung des Nationalparks ablehnen, verweigern Sie einer bedrohten Bevölkerungsgruppe den Schutz, wie im folgenden dargelegt wird. Im September 2006 haben wir in der betroffenen Region Quecksilber-Analysen durchgeführt. Dabei haben wir eine Belastung festgestellt, die bis zum fünffachen über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA liegt. Es ist erwiesen, dass diese Belastung (um nicht zu sagen Vergiftung) auf den illegalen Goldabbau in der Region zurückzuführen ist. Die von Ihnen vorgeschlagene Grenzziehung des Nationalparks würde diesen Raubbau legalisieren, wodurch die Quecksilberbelastung weiter zunehmen würde. Gleichzeitig wurden wir Zeugen von Auseinandersetzungen zwischen Goldgräbern und indigener Bevölkerung. Da die staatlichen Autoritäten ihre Schutzfunktion nicht ausüben, haben Indigene Barrikaden entlang des Flusses errichtet, um ihren Lebensraum zu schützen. Es ist absehbar, dass es früher oder später zu Zusammenstößen kommen wird, womöglich mit Todesfolgen. Dafür werden Sie die Verantwortung tragen, genau so wie Sie für sämtliche gesundheitlichen Folgen der zunehmenden Quecksilberbelastung verantwortlich sind. Wir können und wollen nicht glauben, dass Sie auf dem Altar der Präsidentschaftswahlen die indigene Bevölkerung Guyanas opfern. Wir können und wollen
nicht glauben, dass Sie Ihre letzte Amtshandlung betreffend den
Überseedepartements gegen den Willen der guyanaschen Bevölkerung
durchboxen wollen. Wir können und wollen nicht glauben, dass Sie sich an
der Zerstörung eines Stücks Natur beteiligen wollen, das dem
Weltkulturerbe angehört. Doch wir geben die Hoffnung nicht auf, dass Sie
sich auf Ihre Rede vor der internationalen Gemeinschaft in Bezug auf
indigene Bevölkerung und Umwelt besinnen und danach handeln. Andernfalls
wäre Ihr Präsidentschaftsmandat für immer besudelt. |