Euro versus Dollar

Euro versus Dollar
Währungskonkurrenz und Supermachtsrivalität

Vortrag und Diskussion mit Winfried Wolf
(Herausgeber der Zeitung gegen den Krieg, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates von ATTAC Deutschland und ehemaliger Bundestagsabgeordneter, BRD)

Montag, 14. November 2005, 19 Uhr
Werkstatt Frieden & Solidarität, Waltherstr. 15b, A-4020 Linz

Alle reden von Globalisierung. Tatsächlich war die Macht der weltweit operierenden Konzerne noch nie so groß wie heute. Doch es gibt im Rahmen der globalen Ökonomie auch eine andere Realität: die neue Herausbildung einer Triade von drei großen Blöcken - Nordamerika, Japan und Europa und die verstärkte Blockkonkurrenz zwischen USA und der EU. Am Beginn der Globalisierung stand die Stärkung des Blockes Nordamerika - die USA, Kanada und Mexiko gingen zur NAFTA zusammen - und des Blockes Europa - der Maastricht-Vertrag wurde geschlossen; es kam zur Süd- und dann zur Osterweiterung der EU.

In den Währungen US-Dollar und Euro spiegeln sich die Schwächen und Stärken der jeweiligen Blöcke wider. Die EU-Einheitswährung Euro wurde 2001 geschaffen, um der Weltwährung US-Dollar Paroli zu bieten. Gleichzeitig ist der Euro die Achillesferse der EU: Die Einheitswährung und der Einheits-Zinssatz der EZB in einer Kern-EU stehen in Widerspruch zu den 25 verschiedenen „nationalen“ Wirtschaftspolitiken in den 25 EU-Mitgliedstaaten und zu den extrem unterschiedlichen Wachstumsraten von BIP und Inflation.

Die USA wiederum profitieren vom Charakter des US-Dollar als Weltgeld. Sie können einen erheblichen Teil ihrer Defizite des Haushalts und in der Leistungsbilanz dadurch finanzieren, dass Zentralbanken und Geldanleger in anderen Ländern Dollar-Wertpapiere kaufen. Dies wiederum ist die Achillesferse der US-Ökonomie. Die führende Wirtschafts- und Militärmacht der Welt ist derzeit abhängig von der chinesischen Zentralbank und von anderen asiatischen Nationalbanken und deren Bereitschaft, die Stützung des Dollars fortzusetzen.

Letzten Endes sind die Bewegungen auf der Währungsebene und im Konkurrenzverhältnis zwischen den drei Blöcken Ausdruck gesellschaftlicher Kämpfe, auch Klassenkämpfe genannt. Die großen Konzerne und die führenden Finanzinstitute verfolgen weltweit das Ziel, die Ausbeutung der Lohnabhängigen und der abhängigen Gesellschaften zu steigern, damit ihre Profite zu maximieren und sich so neue Konkurrenzvorteile zu verschaffen. Konkurrenz, Ausbeutung und Profitmaximierung sind die Konstanten der Globalisierung, des globalen Kapitalismus.

Jeder und jede können erkennen: der „Standortwettbewerb“ ist ein „Rattenrennen“. Es gibt kein logisches Ende beim Sozialdumping, bei der Spirale nach unten von Löhnen und Sozialabbau. Diese Situation erfordert eine gesellschaftliche Alternative. Sie beginnt in den lokalen und nationalen Formen von Gegenwehr. Sie findet ein logisches Ende in einer globalen Alternative von Solidarität und Humanismus gegenüber der globalen Realität von Konkurrenz und Profitmaximierung.