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Jugoslawien - Politische Ökonomie einer Desintegration |
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Jugoslawien Vortrag/Diskussion und
Buchpräsentation mit Rudy Weißenbacher Mittwoch, 14. Dezember 2005, 19 Uhr
Das vorliegende Buch bespricht die ökonomischen, sozialen und
politischen Prozesse, die den Hintergrund für den gewalttätigen
Desintegrationsprozess der 1990er Jahre bildeten. Anfangs geht es um
die jugoslawische Staats- und Verfassungsgeschichte (1943 - 1991), ein
notwendiger Schritt, um die verschiedenen Interpretationen, die später
kriegerisch aufeinanderprallten, verstehen zu können.
Als Faktoren von außen ortet der Autor globale Rezession, Verschuldung und das Ende der Blockkonstellation im Kalten Krieg. Detailreich beschreibt er den Prozess von der Kreditkrise über die Staatskrise bis zur Desintegration. Der Versuch Jugoslawiens, mit günstigen und von den Gläubigern zum Teil aufgedrängten Krediten der 1970er Jahre eine nachholendende Entwicklung zu stimulieren, endete mit der Hochzinspolitik der USA im Fiasko. Die Kreditkrise kann als auslösendes Moment für die gesellschaftliche Krise gesehen werden. In der Folge beschleunigten das Krisenmanagement und die „Stabilisierungsprogramme“ des Internationalen Währungsfonds (IWF) den Desintegrationsprozess. Die nördlichen Teilrepubliken Kroatien und Slowenien sahen durch die Krise und die damit verbundene Re-Zentralisierung ihre privilegierte Stellung in der Verfassung und ihren Wohlstand gefährdet und suchten ihr Heil in Lösungen außerhalb des jugoslawischen Bundesstaates. Jugoslawien war aufgrund seiner Position zwischen kapitalistischem „Westen“ und sozialistischem „Osten“ bzw. zwischen wirtschaftlich entwickeltem „Norden“ und wirtschaftlich unterentwickeltem „Süden“ besonders von den internationalen Rahmenbedingungen abhängig. Wie rasch sich die Interpretationen der sezessionistischen Teilrepubliken international durchsetzten, ist nicht zuletzt der Stärke Deutschlands geschuldet, dem es gelang, das Völkerrecht ergebnisorientiert zu formen und so seine eigenen ökonomischen und politischen Interessen durchzusetzen. Der Autor: Rudy Weißenbacher, geboren 1966 in Graz, ist historischer Sozialwissenschaftler und Publizist. Er studierte Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie an der University of Minnesota/USA und arbeitet im Paulo Freire-Zentrum in Wien. Das Buch kann im Werkstatt-Büro bestellt werden: office@werkstatt.or.at |