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Kriegslügen |
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Kriegslügen Jürgen Elsässer (konkret-Redakteur) referiert über seine neuen Bücher „Deutschland führt Krieg“ und „Make Love and War“ Samstag, 15. Juni 2002, 18 Uhr Zum Buch „Deutschland führt Krieg“: Rezension/Bericht von
Peter Nowak (ND, 23.05.2002) Nicht der 11. September 2001 sondern der 9. November 1989 ist für Gremliza das entscheidende Datum, dass eine politische Zäsur einleitete. Seit dieser Zeit ringe eine von Deutschland dominierte EU mit den USA um innerimperialistischen Einfluss. Über den Stand dieser deutsch-amerikanischen Beziehungen gab es unter den Autoren Differenzen. Während Gremliza von einem Kalten Krieg sprach, in dem „die Kriegserklärung auch als Solidaritätsadresse daherkommen kann“, sieht Elsässer die deutschen Eliten in einem Komplizenverhältnis zu den USA - allerdings nicht in Vasallentreue, wie kurzschlüssig auch große Teile der Friedensbewegung unterstellen. Vielmehr sei den deutschen Eliten klar, dass sie momentan ihre eigenen Interessen am Besten im Bündnis mit den USA umsetzen könnten; dies indes könne sich aber rasch ändern. Elsässer verwies darauf, dass sich im arabischen Raum die Interessenunterschiede zwischen „EU-Deutschland“ und den USA schon heute bemerkbar machen. Bei allen Unterschieden im Detail ist den drei Autoren an einer starken Antikriegsbewegung gelegen, die sich die Losung „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ verpflichtet fühlt. Das impliziert, dass eine Demonstration, die sich in Parolen und Transparenten fast ausschließlich auf den US-Präsidenten bezieht, kritisiert wird. Ebermann ging mit einigen Standardargumenten der Friedensbewegung ins Gericht, so den positiven Bezug wahlweise auf die UNO oder die Genfer Konvention. Doch wesentlich schärfer grenzte er sich vor den „linken Bellizisten“ ab, jenen Teil der „antideutschen Strömung“, der sich nach dem 11. September zu Befürwortern der westlichen Zivilisation gemausert hat und den US-Präsidenten höchstens dafür kritisiert, dass er nicht noch entschiedener Krieg führt. Zum Abschluss gab Elsässer seine heute schon altmodisch anmutende Ansicht kund, Teile der Bevölkerung mittels Aufklärung zu einer fundierten Antikriegsposition zu verhelfen. Die große Beteiligung an den Demonstrationen in Berlin scheint seinem Optimismus Recht zu geben. Zum Buch „Make Love and War“: „Deutsche Außenpolitik ist Friedenspolitik" So hatten es Grüne und Sozialdemokraten 1998 in
ihren Koalitionsvereinbarungen festgelegt. Doch schon bald wurde die
deutsche Armee in zwei Kampfeinsätze geschickt - 1999 gegen die Wilden
in Jugoslawien, 2001/2002 gegen die Barbaren im Mittleren Osten. Was kümmern
Wahlversprechen, Grundgesetz und Völkerrecht? Es gilt die alte Parole:
Legal, illegal, scheißegal. Der Krieg erfordert keine normierte Volksgemeinschaft
mehr, sondern verträgt sich auch gut mit der Spaßgesellschaft.
Gestorben wird nämlich nur woanders, wir aber feiern - bis zur
Vergasung. Nach der Niederwerfung der Serben 1999 gab es keine Militär-,
sondern eine Liebesparade, eine halbe Million oder mehr tanzten auf den
Straßen der Hauptstadt, nur die Siegessäule und das Brandenburger Tor
erinnerten an die Kriege der Vergangenheit. Hieß es beim letzten
deutschen Griff zur Weltmacht noch „Wollt ihr den totalen Krieg?“,
so fragen die ehemaligen Pazifisten nun ganz anders: „Wollt ihr den
totalen Friedenseinsatz?“ Der Kanzler
darf sich drei Mal scheiden lassen, Schwule können heiraten und Berlin
regieren, und was früher als pervers galt, kann man heute in der
Volkshochschule lernen. Gegenüber Minderheiten ist Deutschland tolerant
(den Rest erledigen die Glatzen und der Bundesgrenzschutz), und anderen
Staaten, die noch nicht soweit sind, wird Multi-Kulti notfalls mithilfe
von Cruise Missiles beigebracht. Dieser Refrain von Janis Joplin ist das heimliche Motto des globalen Kapitalismus, und er wurde von den Achtundsechzigern genauso oft mitgegröhlt wie ihr Oh Lord won´t you buy me a Mercedes-Benz. Freedom, Democracy and Mercedes Benz - das soll nun weltweit durchgesetzt werden. Freedom (and nothing left to lose) for Serbia, das bedeutet die Verlängerung des Baby-Strichs von Budapest nach Novi Sad. Freedom (and nothing left to lose) for Afghanistan, damit die Frauen der Taliban morgen von der Nordallianz gequält werden und sich übermorgen in die Container von Big Brother retten dürfen. Freedom (and nothing left to lose) for China, denn die Love Parade in Peking wird ihr Berliner Vorbild noch in den Schatten stellen. Aber bevor auf dem Platz des Himmlischen Friedens die große Party steigen kann, wird noch viel Blut die Donau, den Euphrat und den Yangtse hinunterfließen. Texte: Plakat/Flugblatt zur Bewerbung [als PDF] VeranstalterInnen: Friedenswerkstatt Linz, KPÖ |