Nach dem Krieg ist vor dem Krieg

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg
Eine Bilanz des Irak-Krieges 2003
Die drohenden neuen Kriege
Eine Analyse des Zusammenhanges zwischen Krisen, Öl und Kriegen

Vortrag und Diskussion mit Winfried Wolf

Dienstag, 17. Juni 2003, 19 Uhr
Arbeiterkammer (Festsaal), Volksgartenstr. 40, A-4020 Linz

Der Krieg gegen den Irak vom März und April 2003 stellt hinsichtlich von vier Aspekten einen geschichtlichen Einschnitt dar:

(1) Die 1991 von Bush senior ausgerufene „new world order“ wurde zur Pax Americana unter Hegemonie der USA. Die US-Regierung sieht erklärtermaßen in Präventivkriegen das geeignete Mittel, ihre Form der Weltherrschaft auszuweiten. Das Völkerrecht wurde weggefegt; die UNO wirkt im Nachkriegs-Irak als politisches Rotes Kreuz. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges errichtet ein führendes imperialistisches Land über ein großes Land eine neue Kolonialherrschaft.

(2) Der Irak-Krieg steht zwar in der Tradition von Kriegen um Öl (siehe Golfkrieg 1991) bzw. von Kriege um Transportwege von Öl und Gas (siehe Afghanistan-Krieg). Es gibt jedoch auch hier eine neue Qualität: Mit der direkten Kontrolle über 10 Prozent der weltweiten Ölvorräte erlangt die führende Wirtschaftsmacht der Welt die Möglichkeit, den Weltmarktpreis von Rohöl zu kontrollieren. Die USA verfügen über die „swing capacity“, die in den 60er Jahren Texas und in den 70er und 80er Jahren Saudi-Arabien hatte. Da der Countdown läuft und Öl nur noch vier Jahrzehnte zur Verfügung steht, ist diese Position entscheidend für die weltweite „oil based industry“.

(3) Aufrüstung und Kriegsführung haben ihre Wurzeln auch in der kapitalistischen Ökonomie. In ihnen kommt zum einen das gewaltige und wachsende Gewicht des industriellen Komplexes zum Ausdruck. Gleichzeitig versucht die Bush-Administration eine Art „militärischen Keynesianismus“ zu realisieren: Mit der Steigerung der Rüstungsausgaben um 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr im Zeitraum 2000 bis 2003 wird versucht, die zurückbleibende zivile Nachfrage auszugleichen und die Ökonomie anzukurbeln.

(4) Die Regierungen der EU-Länder BRD und Frankreich lehnten den Irak-Krieg nicht aus Friedensliebe ab (sie hatten 1999 aggressiv den Krieg gegen Jugoslawien geführt). Vielmehr sah die US-Regierung nicht vor, die Beute, das irakische Öl, mit ihnen zu teilen. Als eine Lehre aus dem Irak-Krieg fordern Schröder und Chirac, die europäischen „Verteidigungsanstrengungen“ zu erhöhen. Das heißt: Der imperialistischen Macht USA soll ein neuer imperialistischer und militärisch hochgerüsteter Block EU gegenübergestellt werden. Damit wird die Welt noch unsicherer und kriegerischer.

Die einzige Kraft, die sich konsequent gegen den weltweiten Kurs auf Hochrüstung und Krieg stellt, ist die Antikriegsbewegung. Sie hat im Vorfeld des Irak-Krieges eine Stärke erreicht, die in der jüngeren Geschichte einmalig ist. Diese Bewegung muss gestärkt und politisiert werden. Die Losung „Eine andere Welt ist möglich“ muss ergänzt werden um die Forderung: „Eine andere Ökonomie ist nötig“.

Zur Person

Winfried Wolf, Dr. phil., Bundestagsabgeordneter von 1994 - 2002 ist Autor u. a. von „Eisenbahn und Autowahn“, „Bombengeschäfte. Zur politischen Ökonomie des Kosovo-Kriegs“, „Fusionsfieber. Das große Fressen“ und „Afghanistan, der Krieg und die neue Weltordnung“. Er präsentiert auf der Vortragsreihe sein soeben erschienenes Buch: „Sturzflug in die Krise. Die Weltwirtschaft. Das Öl. Der Krieg“ (Konkret Literatur Verlag, 244 Seiten, 16 Euro).

VeranstalterInnen: Friedenswerkstatt Linz, Grüne Bildungswerkstatt OÖ, KPÖ, Plattform Stoppt den Krieg!, Renner-Institut OÖ