NACHGEFRAGT
„Die Entscheidung über Eurofighter wird auf der Landebahn in Zeltweg ausgetragen“

Interview der guernica mit Florian Walter, einem der SprecherInnen der Initiative „Abflug“.

guernica: Du engagierst dich in der Initiative „Abflug“. Wie hat das mit „Abflug“ begonnen?

Florian: Die Gruppe „Abflug“ hat als Plattform gegen Abfangjäger begonnen und ursprünglich das alleinige Ziel verfolgt, den Abfangjägernachrüstungsbeschluss der Regierung zu kippen. Nach dem erfolgreich verlaufenem Volksbegehren schien das Ziel näher, aber die Eurofighter wurden bestellt. Immerhin in geringerer Stückzahl als geplant. Wir sind also vor der Frage gestanden: Aufgeben oder weitermachen? Interessanterweise hat sich dann doch bei den meisten von uns die Ansicht durchgesetzt, dass wir unser Ziel nur erreichen können, wenn wir auch den Ursachen dieser undemokratischen Politik auf den Grund gehen. Das heißt, es geht mittlerweile um mehr. Gegen den Militarismus zum Beispiel und für Zivilcourage. Wir machen auch in regelmäßiger Unregelmäßigkeit antimilitaristische Informationsveranstaltungen.

Was sind derzeit eure Hauptaktivitäten?

Zur Zeit konzentrieren wir uns auf die hirnrissige Flugshow „Airpower 2005“ die der Verteidigungsminister am Militärflugplatz Zeltweg veranstalten will. Militärjets aus aller Herren Länder sollen am 24. und 25. Juni über vier Ballungszentren der Obersteiermark waghalsige Flugmanöver durchführen. Das Mitlitär will in unserer Krisenregion Stärke demonstrieren. Eine riskante Geldverschwendung. Wir haben schon vor Monaten mit Pressearbeit und einer Diskussionsveranstaltung begonnen, um die Verantwortlichen festzunageln. Es ist uns dann auch gelungen, die anfängliche Nachrichtensperre zu diesem Thema zu durchbrechen. Wir konnten einige Artikel in Regional- und Lokalmedien plazieren, auch landesweit. Dann haben wir Post bekommen vom Verteidigungsminister: „Im Unglücksfall haftet ohnehin die Republik ...“. Sehr beruhigend! Aus diesem Grund haben wir jetzt den Minister und die Bezirkshauptmänner bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Wegen vorsätzlicher und fahrlässiger Gemeingefährdung.

Wie schätzt du die Stimmung in der Bevölkerung ein?

Ich habe vor kurzem im Standard eine Meinungsumfrage gelesen. Eine große Mehrheit ist gegen die Eurofighter, sogar unter den ÖVP-WählerInnen gibt es eine Mehrheit dagegen. Wir sind also keine kleine radikale Minderheit, wie immer behauptet wird. Wir sind eine große radikale Mehrheit und wir könnten es uns durchaus leisten, in die Offensive zu gehen! Jede Form von Selbstzensur ist unangebracht. Ich glaube, die Bevölkerung wird oft unterschätzt. Für die Zukunft wird es entscheidend sein ob es gelingt, die Unzufriedenen in lustige und befreiende Widerstandsformen einzubinden.

Was sind eurer Meinung nach die militärischen Hintergründe für die Startbahnverlängerung in Zeltweg?

Die Region Aichfeld-Murboden ist das größte inneralpine Becken das von „feindlichem Radar“, was auch immer das ist, nicht beobachtet werden kann. Deshalb haben sowohl die NATO, als auch die EU Armee enormes Interesse an dieser Startbahn. Das Bundesheer behauptet, die Erweiterung diene „nur“ für die Eurofighter. Für die EU-Eurofighter nämlich. Das ist für unsere Region ein Horrorszenario. Am NATO-Flugplatz Mitra in der Slowakei startet und landet jede Minute ein Kampfjet und das Tag und Nacht! Das heißt aber auch: Die Entscheidung über Eurofighter wird auf der Landebahn in Zeltweg ausgetragen.

aus: guernica 4/2005