Giftige Kriegsrelikte |
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| Schon
kurz nach dem Krieg wurde bekannt, dass die NATO Uranmunition verwendet
hatte. Bis heute konnte verseuchtes Material nicht entsorgt werden – die
NATO verweigert die Zusammenarbeit. "Unser Hiroshima war raffinierter", sagt ein Interviewpartner zu Goran Rebix in seinem neuen Film The Punishment, "wir hatten keinen Atompilz." Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es habe auf eine mögliche toxische Gefährdung durch die Urangeschosse hingewiesen und vorbeugende Maßnahmen empfohlen. Diese Informationen seien auch an die im Kosovo befindlichen Hilfsorganisationen weitergegeben worden. Wo die toxischen Gefahren lauern, darüber macht die NATO allerdings bis heute keine Angaben. Auch nicht, wie eine geeignete Schadensbekämpfung aussehen könnte. "Depleted Uranium" (DU), abgereichertes Uran (U-238), wird hergestellt aus Uran-Hexafluorid, einem nicht-spaltbaren Nebenprodukt des Uran-Anreicherungsverfahrens, bei dem spaltbares Uran für Bomben und Reaktorbrennstoff abfällt (planet berichtete). Verwendung findet DU in Geschossen und Streubomben. Weitreichende gesundheitliche Gefahren DU-Munition ist, im Gegensatz zu früheren Berichten, nicht mit einer Spitze oder einem Mantel aus DU versehen, sondern besteht aus solidem Uran 238. Beim Aufschlag entstehen radioaktives und giftiges Schwermetall und gefährliche Dioxide. Verifizierte gesundheitliche Auswirkungen umfassen neurologische Anomalien, chronische Nierenschmerzen, Ausschläge, Sehkraftminderung, Zahnfleischerkrankungen, Lymphome und andere Krebserkrankungen, neuro-psychologische Beschwerden, sexuelle Disfunktionen und Geburtsfehler bei Nachkommen. Sogar Dokumente des US-Energieministeriums, die Ende Jänner dieses Jahres freigegeben wurden, bestätigen die Gefahren von Uran-Einwirkungen. Bei DU-verseuchtem Gerät muss im Umkreis von ca. 25 Metern Atem- und Hautschutz getragen werden. Eine DU-Verseuchung macht Nahrung und Wasser unbrauchbar. 10 Tonnen allein im Kosovo Abgereichertes Uran wurde nicht erst in diesem Krieg eingesetzt und auch nicht zum ersten Mal auf dem Balkan. Bereits im Bosnien-Krieg hatte die NATO im August und September 1995 serbische Stellungen in Sarajevo, Gorazde und am Berg Majevica mit radioaktiven Waffen bombardiert. Der Irak wurde im Golfkrieg mit etwa 940.000 DU-Projektilen beschossen. Im UNO-Bericht zu den Auswirkungen auf dem Balkan wird als erwiesen festgestellt, dass mehr als 31.000 DU-Salven, das sind über 10 Tonnen, im Kosovo niedergegangen sind. In Verbindung mit dem UN-Jahr für eine Kultur des Friedens wird derzeit eine Konferenz vorbereitet, die am 4. und 5. November in Manchester stattfinden soll. CADU (Campaign against Depleted Uranium) will dort unter anderem Berichten von Golfkriegsveteranen ein Forum geben. Ziel ist es, ähnlich wie bei der Anti-Landminen-Kampagne, ein Verbot dieser Geschosse zu erreichen. Kampagne gegen Uranmunition Unterstützung erhält CADU vom ehemaligen Gesundheitsphysiker des DU-Teams im US-Verteidigungsministerium, Doug Rokke. Rokke, der gegenwärtig als Professor für Umweltwissenschaften an der Jacksonville State University in Alabama tätig ist, beschuldigt das Pentagon und die US-Regierung, die durch US-Recht vorgeschriebenen Maßnahmen weitgehend zu verweigern und die Erforschung der DU-Risiken zu erschweren. Rokke fordert, dass alle Personen, die durch Einatmung, Nahrungsaufnahme oder Wundvergiftung von depleted uranium betroffen sind, medizinische Versorgung erhalten müssen. Weiters sollen alle DU-Geschosssplitter und alles verseuchte Gerät beseitigt und ordnungsgemäß entsorgt werden. Und vor allem: Der Einsatz von Urangeschossen muss verboten werden. |
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